| 21.07.07:
Für heute waren getrennte Unternehmungen geplant. Grit und Chris
machten die Umgebung des Hotels unsicher und ich fuhr mit Sebastian
an die Westküste auf Höhe von Paleokastritsa. Zuerst einmal
ging es
von Rhoda aus in Richtung Kerkyra. Komisch, irgendwie führten hier
laut der Schilder alle Straßen nach Kerkyra. Aufgrund der merkwürdigen
Beschilderung war es gar nicht so einfach, die richtige Route, der meist
im Hinterland fast parallel verlaufenden Straßen nach Korfu-Stadt,
zu finden. In unserem Fall sollte es ja die westlichste Verbindungsstrasse
sein. Nach etlichen Kurven, Passieren eines großen Steinbruches
und weiteren Serpentinen entdeckten wir beim Abzweig nach Malrades eine
Rarität auf Korfu: eine weiß-blau gestrichene kleine
Kirche, Ag. Anna. Dies ist deswegen so erwähnenswert,
da
normalerweise alle Gebäude auf Korfu, sonst für Griechenland
untypisch, stark vom venezianischen Stil geprägt sind und mehr
in Hellbraun-/Ockertönen gestrichen sind. Bei Trombates folgten
wir dem Hinweisschild zum Angelokastro. Nach weiteren ca. zwei Kilometern
kurviger Strecke durch viele Olivehaine thronte schließlich das
alte Kastro auf einem hohen Felsen vor uns. Es wirkte schon aus größerer
Entfernung uneinnehmbar. Die Straße endete unterhalb der Burg
bei einer Taverne. Es war 14:30 Uhr. Bis 15:00 Uhr sollte das Angelokastro
für eine Besichtigung geöffnet sein. Zu unserer Enttäuschung
versperrte aber ein hoher Bauzaun den Zugang zu dem steilen Aufstieg.
Wir mogelten wir uns aber an dem Zaun vorbei und erstiegen ordentlich
schwitzend den Kastroberg. Die mächtigen Mauern der Burg ließen
nur eine Möglichkeit zu, in den Innenbereich zu gelangen, der uns
aber durch ein verschlossenes stabiles Gittertor aus Eisen verwehrt
wurde. So ähnlich musste es auch Angreifern in der Antike gegangen
sein, denn das Angelokastro wurde in seiner gesamten Geschichte nie
durch Feinde eingenommen. Da
wir freundlich gesonnen waren, blieb es unsererseits auch beim Fotografieren
der von hier aus gut zu sehenden Buchten von Paleokastritsa, unserem
nächsten Ziel. Vorher glichen wir aber in der trotz Hauptsaison
fast leeren Taverne unseren Flüssigkeitsverlust mit Kola und Wasser
aus. Die weitere Fahrt an der Küste entlang führte uns vorbei
an einem Kloster und einer toll gelegenen Taverne mit Bella-Vista
auf Paleokastritsa (Fernrohr auf der Terrasse inklusive). Plötzlich
wurde bei einer Ortschaft die Straße einspurig für beide
Richtungen, so dass der Verkehr durch eine Ampel geregelt wurde. Kurz
hinter dieser Ampel entdeckte ich das Geschäft von Alki (Name des
Besitzers). Im Reiseführer hatte ich schon gelesen, dass Alki aus
Olivenholz Dinge des alltäglichen Lebens herstellte. Bei einem
Stopp war ich erstaunt, was hier alles aus Holz gefertigt wurde: Löffel,
Teekannen, kleine Truhen, Vasen,
Tierfiguren, Kerzenständer, usw.. Die Teile waren zwar nicht gerade
billig, aber man sagte ihnen nach, dass sie ein Leben lang hielten.
Im Anschluß folgten wir dem Straßenverlauf noch einige Kilometer,
bis schließlich der scharfe Abzweig nach Paleokastritsa kam. Kurze
Zeit später, nach dem Passieren etlicher Tavernen links und rechts
der Straße, erreichten wir die Bucht unterhalb des Klosters „Monastry
Paleokastrisa“. Holla, hier war ja was los. Am Strand konnte man
kaum noch den Sand sehen und zusätzlich wurden noch diverse Wassersportmöglichkeiten
angeboten. Scheinbar war diese Gegend eine Urlauberhochburg. Nicht so
ganz unser Fall und deshalb fuhren wir weiter Richtung Kloster. Eine
weitere Ampel stoppte uns. Diesmal mit einem Hinweisschild: Wartezeit
4 Minuten. Über eine einspurige Zufahrt gelangten wir danach zu
einem höhergelegenen Parkplatz. Viele Autos und Reisebusse ließen
uns Schlimmes vermuten. Innerhalb des Klosters (Öffnungszeiten:
täglich 07:00-13:00 Uhr, 15:00-20:00 Uhr, Anfang April-Ende Oktober)
hielt sich der Publikumsverkehr aber in Grenzen und so konnten wir größtenteils
ohne Gedränge das Innere des Klosters besichtigen.
Am Eingang bat ein Schild die Besucher, anständig angezogen einzutreten
(respektvoll, also bedeckt von den Schultern bis zu den Knien). Für
unvorbereitete Besucher wurden auf einem Tisch entsprechende Leih-Kleidungsstücke
zur Verfügung gestellt. Der Innenbereich präsentierte sich
gut erhalten und in frischen Weiß- und Ockertönen. Im Bereich
der Mauern setzten leuchtend blühende Pflanzen farbliche Akzente
und ein kleiner Garten lud zum Entspannen ein. Sehenswert war auch das
Innere der Kirche mit dem Altar, den Gemälden und Deckenleuchtern.
Vieles davon war vergoldet. Abschließend schauten wir uns noch
eine uralte Olivenpresse in einem dunklen Gewölbe an und verließen
über einen Wandelgang das Kloster wieder.
Direkt neben dem Kloster tankten wir vor der Weiterfahrt in einer Taverne
bei Wasser und Honigkuchen neue Kräfte. Der Honigkuchen sah aus
wie ein sehr, sehr süßer vollgesogener
Schwamm, der schon auslief. Ganz so süß wie wir vermutet
hatten, war er Gott sei Dank dann doch nicht. Preislich gesehen zahlte
man hier natürlich die Nähe des Touristenmagneten „Kloster“
mit.
War es an allen Stränden von Paleokastrisa so voll wie an dem Haupt-Beach.
Dieses wollten wir in der benachbarten Lipadi-Bucht
herausfinden.
Hier ging es viel gemütlicher zu. Es gab einen Sandstrand und einen
kleinen Hafen, in dem ein paar Boote vor sich hin dümpelten (incl.
Bootsvermietung). In aller Ruhe schleckten wir in dieser ruhigeren Bucht
noch ein Eis, bevor wir uns auf den Rückweg nach Acharavi machten.
Hinter Doukades stießen wir auf die Hauptstraße von Kerkyra
nach Sidari. Auf Sebastians Drängen nahmen wir aber nicht den „leichten“
Weg Richtung Sidari, sondern folgten dem Straßenverlauf Richtung
Kerkyra, um bei der nächsten Gelegenheit links nach Zigos abzubiegen.
Es folgte eine schöne Strecke durch Olivenhaine über eine
schmaler werdende Straße. Irgendwann war aber mit dem Dahingleiten
Schluss: eine steile Spitzkehre folgte der anderen, so dass ein Schalten
in den zweiten Gang kaum mehr möglich war. Nachdem wir schon etliche
Höhenmeter gewonnen hatten, legten wir eine kleine Trinkpause ein
und genossen die Stille der Natur und den Blick über das dichtbewaldete
Hinterland bis fast nach Korfu-Stadt. Schließlich in Zigos angekommen,
fehlte auf einmal jegliche Beschilderung Richtung Nordküste. Vor
einem Kafenion sitzende ältere Einheimische wiesen uns dann aber
nach einigen Verständigungsschwierigkeiten den Weg nach Rhoda.
Wie wir später feststellten, hätten wir auch in die andere
Richtung abbiegen können, dann wären wir direkt in Acharavi
ausgekommen. Über Episkopi und Rhoda erreichten wir dann wieder
unser Hotel in Acharavi.
Grit und Chris hatten in der Zwischenzeit eingekauft, da wir mal wieder
auf unserem Balkon essen wollten. Es sollte unter anderem Schnitzel
geben. Leider hatten wir unseren eigenen Tipp vom letzten Thassos-Urlaub
nicht mehr im Gedächtnis. Der lautete nämlich: iss im Freien
kein Fleisch vor Sonnenuntergang. Und so vertrieben uns etliche plötzlich
auftauchende Wespen vom Balkon in unsere kleine Küche. Vorbei war
es mit dem Genießen der letzten Sonnenstrahlen, Neonlicht war
jetzt angesagt ;-(.
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