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Reisebericht Madeira (Blumeninsel im Atlantik)

Urlaub 2011

Hinweis: da der Reisebericht recht lang geworden ist, wurde er in Unterkapitel aufgeteilt, die direkt angesprungen werden können!
Kapitel 1: Entscheidungsfindung, Anreise, Hotelanlage
Kapitel 2: Motorrad, Fahrt nach Funchal, Machico, Porto da Cruz
Kapitel 3: Fahrt nach Monte, Korbschlitten, Jardim Tropical
Kapitel 4: Fahrt nach Calheta über Ribeira Brava und Ponta do Sol
Kapitel 5: Camacha, Faial, Santana, Sao Jorge
Kapitel 6: Funchal
Kapitel 7: Canico de B., Ribeira Brava, Camara de L., Ponta do Garajau
Kapitel 8: Sao Vicente, Seixal, Ribeira da Janela, Porto Moniz (Norden)
Kapitel 9: Santa Cruz, Abreise


Kapitel 8

Mo., 28.11.11

Heute zog es mich an die Nordküste von Madeira und Grit erneut nach Funchal zum Bummeln. Also setzte ich sie in der Hauptstadt ab und fuhr weiter Bergkamm MadeiraRichtung Ribeira Brava. Von dort aus führte die ER104 durch einen Bergeinschnitt nach Norden. Kurz vor Serra de Agua musste ich mich entscheiden, den langen Tunnel nach Sao Vincente zu nehmen oder doch lieber die alte Landstraße ER228 durch die Berge zu fahren. Da ich etwas von der schönen Landschaft Madeiras sehen wollte, entschied ich mich für die Landstraße. Diese Strecke dauerte natürlich nicht nur länger, sondern war auch nichts für Fahrer, die keine Kurven mögen. Ich hätte aber auf jeden Fall lieber noch die BMW 650GS gefahren. Zügig gewann ich mit jedem gefahrenen Kilometer an Höhe und erreichte schließlich auf einem Bergkamm (Encumeada-Pass) eine Straßengabelung, wo von der ER228 die ER110 über das Hochland direkt nach Westen und Porto Moniz abzweigte. Ein weiter Blick bot sich von hier über das gebirgige Hinterland von Madeira. Obwohl die Sonne immer noch kräftig Sao Vicente, Madeiraschien, war es aufgrund der Höhe von nunmehr über 1000m über N.N. merklich kühler geworden.
Interessanterweise zeigten die Hinweisschilder in beide Richtungen nach Porto Moniz und Sao Vicente. Ich entschied mich für den kürzeren Weg an der Nordküste entlang und erreichte schließlich nach zahllosen Serpentinen und der Fahrt durch üppige Wälder wieder die ER104, die der Tunnel wieder ausgespuckt hatte, und folgte ihr bis Sao Vicente. Der direkt an der Nordküste gelegene Ort, durch ein Felsmassiv vor Meereseinflüssen geschützt, hatte ja so gar nichts zu bieten. Mit dem Auto war in fünf Minuten schon alles gesehen (zu Fuß sollten maximal 10 Minuten reichen). Als einzige Attraktion bot sich hier nur der Besuch der Lava-Höhlen, der Grutas de Vicente, mit dem Informationszentrum für atlantischen Vulkanismus an. Das sparte ich mir aber und fuhr weiter zur Küstenstraße ER101, die parallel zum grob kiesselige Strand verlief, der auch im Hochsommer wegen des rauen Meeres nicht zum Baden geeignet ist. Auf der anderen Seite der Straße ragte die Steilküste in den Himmel. Meine weitere Fahrt sollte mich an einem bestimmt 100m hohen Wasserfall vorbei und dann durch den ersten von etlichen Tunneln führen.
Eigentlich wollte ich ja die alte einspurige Steilküstenstraße „Antiga Antiga ER101, MadeiraER101“ unterhalb der Felsen und direkt oberhalb des Meeres nehmen, aber schon am Anfang stand aufgrund von Erdrutschen ein Sperrschild (siehe auch unsere Madeira-Filmgalerie). Welcher Madeira-Urlauber kennt diese Strecke nicht von zahlreichen Postkartenmotiven, auf denen zu sehen ist, wie ein Kleinbus sich die schmale in den Fels gehauene Straße mit dem Wasserfall entlang quält. Ich hatte vorher erst überlegt, ob ich es wegen des eventuell drohenden Steinschlages überhabt wagen sollte, diese Route zu nehmen, aber das hatte sich ja nun erübrigt.
Bis Seixal musste ich wohl oder übel die modern nach europäischem Standart gebauten Tunnel nutzen. Alle weiteren Abzweige zur Antiga ER101 waren auch gesperrt. Seixal selbst stellte sich als kleiner verschlafener Küstenort ohne großartige Infrastruktur dar. Bei einem kurzen Stopp und SMS-Austausch mit Grit, die ja immer noch in Funchal weilte, bewahrheitete sich wieder das größtenteils übliche Süd-/Nord-Wettergefälle: bei mir war es stark bewölkt und gerade noch 19 Grad und im Süden von Madeira schien Tunnel bei Ribeira Funda, Madeiradie Sonne vom wolkenlosen Himmel bei 25 Grad. Na egal, weiter gings.
Plötzlich ergab sich auf etwa halber Strecke zwischen Seixal und Ribeira da Janera zwischen zwei Tunneln die Gelegenheit, auf die Antiga ER101 abzubiegen. Weit kam ich aber auch hier nicht; gesperrt wegen Erdrutsch. Die einzige Möglichkeit weiterzukommen, bestand darin, dem Schild durch einen weiteren Tunnel nach Ribeira Funda zu folgen. Ein bisschen Abenteuer musste sein und so fuhr ich in den steil nach oben führenden dunklen Tunnel ein. Wasser lief von den nahen Wänden und von der niedrigen naturbelassenen Felsdecke ergoss sich weiteres auf das Autodach. Schon irgendwie gruselig. Nach ein paar engen Serpentinen hinter dem Tunnel war auch hier bei zwei mitten in den Fels gebauten Häusern Schluss. Ich war in einer Sackgasse. Ein paar Einheimische musterten mich wie ein Ankömmling von einem anderen Stern ;-). Vorsichtig tastete ich mich im niedrigen Gang zurück auf die ausgebaute Küstenstraße.
Bevor ich Porto Moniz am nördlichen Ende von Madeira erreichte, machte ich noch einen Abstecher nach Ribeira da Janela (Janela = übersetzt Fenster), einem Ort mit ein paar verstreuten Häusern, der am Ende eine Felsschlucht liegt, die ins Meer mündete. Zu sehen gab es nur ein kleines Wasserkraftwerk und die markant aus dem Meer hervorragende Felsnadel. Zu dieser Jahreszeit war ich hier bis auf einen Angler, der an dem Kiesstrand sein Glück versuchte, der einzige Mensch weit und breit.
Porto Moniz hatte da schon etwas mehr zu bieten. Nachdem ich wieder mal ein Tunnel hinter mir gelassen hatte, lag der als Badeort im Sommer beliebte Ort Porto Moniz, Madeiravor mir mit seinem durch eine lange Kaimauer geschützten Hafen. Direkt daneben ein altes Fort mit Aquarium und Hubschrauberlandeplattform. Daran anschließend begann die breite sich fast die ganze Lava-Schwimmbecken, Porto Moniz (Madeira)Bucht entlang ziehende Uferpromenade mit den ersten natürlich entstandenen Lava-Schwimmbecken (scheinbar im Sommer kostenlos zu benutzen; jetzt waren sie aber abgesperrt). Den Ausdruck Schwimmbecken würde ich für etwas übertrieben halten, denn es handelte sich eher um kleine flache Bade-Tümpel zwischen schroffen schwarzen Lavafelsen. Kleine Mäuerchen trennten die Becken vom offenen Meer, was die Beliebtheit im Sommer bei Familien mit Kindern erklärte, denn die umliegenden Kiesstrände waren wegen der oft recht rauen See an der Nordküste nicht unbedingt zu empfehlen. Auch ein Restaurant mit Terrasse befand sich hier, und so stärkte ich mit mitten zwischen erstarrter Lava und bei leiser Musik, die aus zwischen den Felsen versteckten Lautsprechern kam, mit einem kleinen Snack zu recht günstigen Preisen.
Am anderen Ende der Promenade gab es eine weitere Bademöglichkeit (Piscina Naturais). Etwas großzügiger gehalten mit größeren Becken und mit entsprechender Infrastruktur wie Duschen, Umkleiden und Liegeflächen, aber gegen geringe Eintrittsgebühr von 1,25€ (s. auch Video in unserer Film-Galerie).
Ansonsten war, außer ein paar Souvenirläden, Restaurants und ein paar Wohnhäusern bzw. Hotels, nicht viel mehr in Porto Moniz zu sehen. Der sehr einsam am äußersten Nordende von Madeira gelegene und touristisch kaum erschlossene Ort war wohl mehr ein Ziel für Individualisten und Wanderer, die die von hier aus mit dem Auto recht gut zu erreichenden Wandergebiete um Fanal, Rabacal und die Schlucht des Ribeiro da Kühe auf MadeiraJanela erkunden wollten. Wegen der fortgeschrittenen Zeit machte ich mich so langsam wieder auf den Rückweg nach Canico de Baixo. Vorbei an dem eigentlichen Ortkern mit der Bank, der Kirche und dem Gesundheitszentrum erreichte ich aufgrund der steilen Serpentinen mit meinem Auto schnell wieder an Höhe. Noch ein letzter Blick auf Porto Moniz und das Meer, bevor mich dann die kurvenreiche Landstraße immer weiter in Richtung Hochland führte. Plötzlich stand hinter einer Kurve mitten auf der zweispurigen Straße ein Kuh. Sie gehörte zu einer ganzen Herde, die hier frei herumlief und nach Futter suchte. Etwas skeptisch und sehr vorsichtig schlich ich vorbei, obwohl sie scheinbar, trotz des wenigen Verkehrs, an vorbeifahrende Autos gewöhnt war, denn sie drehte nur wie in Zeitlupe den Kopf mit den Hörnern ein wenig zu mir und schaute neugierig ins offene Autofenster. Glück gehabt. Nur so als Tipp: in diesem Bereich immer vorsichtig um Kurven fahren und mit unvermittelt auftauchenden Kuhherden rechnen! Diese Begegnung sollte nämlich für mich nicht die einzige bleiben.
In der Nähe des Parque Empresarial do Porto Moniz (scheinbar so was wie eine LKW-Werkstatt) traf ich auf die ER101, die ich nur ein Stück fahren musste, aber nicht zu lang, denn sonst hätte ich die Route über Ponta do Pargo und Calheta erwischt. Ich wollte aber über die Hochebene Paul da Serra. Leider ließ an der nächsten Straßengabelung die Beschilderung etwas zu wünschen übrig. Keinen der dort aufgeführten Orte fand ich auf der Karte und so folgte ich meinem Gefühl: links halten, obwohl es von der Richtung schon fast wieder nach Porto Moniz zurückzuführen schien. Mittlerweile wurde an manchen Stellen die Orientierung noch schwerer, denn ich bewegte mich inzwischen auf so einer Höhe, dass ich durch dichte tief hängende Wolken fuhr. Aber ich hatte die ER110 erwischt. Wieder Glück gehabt, denn fragen hätte ich hier niemanden können; ich bewegte hier weit und breit das einzige Auto. Und daran sollte sich auf den nächsten Kilometern bis zum Encumeada Pass auch so gut wie nichts ändern.
Die Vegetation änderte sich gewaltig. Nicht mehr die dichten Wälder links und rechts, wie sonst auf Madeira üblich, sondern nur noch knöchelhoher magerer Bewuchs. Auch ungewohnt: die Straße verlief kilometerlang nur geradeaus. Kurz hinter dem Abzweig nach Rabacal, einem beliebten Ziel für Wanderer (Zufahrt nur mit Pendelbus bzw. zu Fuß), Essen im Restaurant Atlantico, Madeiraerreichte ich eine gut ausgebaute fast rechtwinkelige Kreuzung. Hier trafen sich auf 1444m ü. N.N. Straßen aus vier Himmelsrichtungen und verbanden den Süden (etwa Ponta do Sol) mit dem Norden (Ribeira da Janela) und den Osten (bis zum Encumeada-Pass) mit dem Westen. Ein „Hochebenen-Video“ seht Ihr in unserer Madeira-Filmgalerie. Wer vorhatte, in dieser Gegend zu wandern, der sollte sich warm anziehen: das Autothermometer zeigte T-Shirt unfreundliche 5 Grad. Ein Blick auf die etwas später beidseitig der Straße gebauten zahlreichen Windräder zur Stromerzeugung blieben mir aufgrund des teilweise recht dichten Nebels versagt. Erst auf Höhe des Passes, an dem ich Richtung Ribeira Brava abbog, lichteten sich die Wolken wieder etwas. Je mehr ich mich der Südküste näherte, desto wärmer und sonniger wurde es auch, bis endlich wieder 22 Grad auf dem Display im Auto stand. Gut, dass wir die Südküste für unseren Hotelaufenthalt gewählt hatten, denn irgendwie war es hier immer schöner vom Wetter, als im Norden von Madeira.
Das letzte Stück meiner Tour war dank der Autobahn schnell bewältig und wir ließen, nun wieder zusammen, den den ereignisreichen Tag im Hotelrestaurant Atlantico bei einem leckeren Essen und danach mit einem guten Cocktail in der Capoeiro-Bar ausklingen.



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